Gemeinschaftspraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie

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Riss der Beinbeuger – Hamstrings

Der komplette Riss der Beinbeuger ist eine seltene Verletzung. Am häufigsten kommt es durch einen kräftigen Ausfallschritt oder beim Wasserski zur Verletzung. Jedoch gehört im Profisport wie beim Fußball oder Rugby ein teilweiser Hamstring-Abriss zu den häufigeren kontaktlosen Verletzungen. Ein Hamstring-Abriss bzw. die Hamstringruptur kann eine oder mehrere Sehnen dieser Struktur betreffen.

Anatomie

Die Beinbeuger werden durch den Musculus Semimembranosus, Musculus Semitendinosus und den Musculus Biceps femoris gebildet. Zusammengefasst werden sie als ischiocrurale Muskulatur bezeichnet, wenn im Sport sich auch der englische Begriff Hamstrings eingebürgert hat. Der Musculus Semitendinosus und der lange Kopf des Musculus Biceps femoris haben mit kräftigen Sehnen ihren Ursprung gemeinsam am Sitzbeinknorren (Tuber ischiadicum). Relativ dünn dahinter liegt der Ursprung des Musculus Semimembranosus. Der Beinbizeps hat einen zweiten Anteil, der vom hinteren Oberschenkelknochen entspringt.

Beide Anteile setzen gemeinsam mit einer kräftigen Sehne am Wadenbeinköpfchen an. Musculus Semitendinosus und Musculus Semimembranosus finden ihren Ansatz am Pes anserinus am inneren Schienbeinkopf. Der Musculus Semimembranosus kommt als zweigelenkiger Muskel sowohl bei der Extension vom Hüftgelenk wie bei der Flexion vom Kniegelenk zum Einsatz. Die Muskeln beugen also im Oberschenkel als Teil der Oberschenkelmuskulatur. Der lange Beinbizeps-Kopf sowie der Semitendinosus strecken als zweigelenkige Muskeln gleichzeitig auch in den Hüften und sind in ihrer Funktion bei der Innenrotation des Unterschenkels beteiligt.

Symptomatik

Schmerzen an der hinteren Gesäßfalte und beim Sitzen. Das Gehen ist eingeschränkt. Häufig kommt es zu einem ausgeprägten Bluterguss.

Diagnostik

Anamnese (Geräusch), klinischer Befund (Beinbeuge Kraftdefizit) und Sonographie (Ultraschall). Ein Kernspin sollte immer erfolgen.

Lokalisation

Die Sehnen des Semitendinosus und Biceps femoris reißen fast immer gemeinsam direkt vom Sitzbeinhöcker ab und ziehen sich auch meist weiter zurück. Zerrungen und Faserrisse betreffen auch die Muskeln.

Ausprägung

Die meisten Verletzungen betreffen den kompletten gemeinsamen Sehnenansatz von Semitendinosus und Biceps femoris. Muskuläre Verletzungen treten in Form von Zerrungen und Faserrissen auf.

Therapie

Bei kompletten Rissen ist eine operative Therapie in Abhängigkeit von der Retraktion der Sehnenstümpfe zu empfehlen. Diese sollte innerhalb von 2 Wochen nach dem Riss erfolgen! Die Sehne bzw. der Muskel wird mit Nahtankern wieder am Sitzbeinhöcker refixiert. Verspätete Rekonstruktionen haben schlechte Aussichten für eine gute Funktion, da sich der Muskel nur schlecht mobilisieren lässt. Unbehandelt führt ein solcher Riss immer zu einem kosmetischen Defizit und zu einem Kraftdefizit.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einer operativen Therapie erfolgt in der Regel ohne eine Immobilisationsschiene. Das Bein sollte aber 6 Wochen nicht in der Hüfte gebeugt und 10 Wochen nicht voll belastet werden. Die ersten 4-6 Wochen sind Unterarmgehstützen notwendig.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der primären operativen Therapie sind sehr gut. Sekundäre Rekonstruktionen sind schwierig und die Ergebnisse schlechter.